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Reg’ Dich nicht so auf!

Was Du verstehen musst, wenn jemand durchdreht

In meinen Zwanzigern lebte ich eine Zeit lang mit einer Frau zusammen, die doppelt so alt war wie ich und die eine Tochter hatte, die in meinem Alter war. Diese Wohngemeinschaft hatte einen eher praktischen Nutzen, da wir gemeinsam arbeiteten.

Wir hatten unser Zusammenleben über eine Mietvereinbarung geregelt, ich zahlte meine Miete und mein Name klebte am Postkasten, es war offiziell mein Wohnsitz. Als sie mich eines Nachmittags fragte, ob es mir etwas ausmachen würde, dass ihre Tochter und ihr Partner sie über Nacht besuchen würden, sagte ich: „Ja, das macht mir etwas aus.“ Immerhin gab es kein Gästezimmer und das Schlafsofa stand im Wohnzimmer direkt vor der Tür meines Schlafzimmers. Immerhin war das auch mein Zuhause.


Als ich am nächsten Morgen die Küche betrat, stützte sie sich an der Arbeitsplatte ab, als hätte sie ein plötzlicher Schwindel erfasst. Dann holte sie tief Luft. „Das geht so nicht, Timo.“ Ich räusperte mich. „Was meinst du?“ - „Ich habe dich nicht zu fragen, ob mein Kind hier schlafen kann oder nicht!“ Dann drehte sie sich um. Die Wut hatte ihr Gesicht entstellt, ihre Gesichtszüge waren verhärtet, aus ihren Augen war jede Freundlichkeit verschwunden. Was dann folgte, war ein Ausflippen aus dem Bilderbuch.

Explosionen der Emotionen


Vielleicht hast Du das auch schon einmal erlebt: Du klärst etwas mit einer Person, ziehst eine Grenze oder machst eine deutliche Aussage und schon scheint Dir das Ganze ins Gesicht zu explodieren. Meistens sagen oder wir dann: „Oh, die Person reagiert völlig über!“ Auch ich dachte damals, mit einer Überreaktion meiner Mitbewohnerin konfrontiert zu sein.

Heute weiß ich: So etwas wie eine Überreaktion gibt es nicht. Was stattdessen vor sich geht, ist, dass diese Person völlig angemessen auf eine Situation reagiert, die längst vorbei ist. Deutlicher ausgedrückt: Sie rastet in der Gegenwart wegen einer Sache aus der Vergangenheit aus.

So etwas nenne ich in meiner Arbeit „Feststecken“ und das ist keineswegs ein seltenes Phänomen. Was Du wissen musst, ist, dass die Person, die da vor Deinen Augen wegen einer scheinbaren Lappalie eine Szene macht, schon auch auf Dich sauer ist. Aber ihr System vergleicht Eure kleine Situation mit einer größeren, in der dieser Mensch sehr verletzt wurde. Sie steckt dort fest.


Was Du sagen und tun kannst


Mit meiner Mitbewohnerin damals habe ich natürlich einen Krach angefangen. Heute würde ich es anders machen und beispielsweise sagen: „Hey, bist Du okay? Dass ich Nein gesagt habe, hat nichts mit Dir oder Deiner Tochter zu tun. Willst Du darüber reden, was Dich so wütend macht?“


Wenn jemand sehr beleidigend wird oder frech, kannst Du auch sagen: „Ich weiß gar nicht, mit wem Du redest. Mit mir würdest Du so gar nicht reden. Was kann ich tun, um Dir dabei zu helfen, Dich besser zu fühlen?“


Wenn Du selbst gerne einmal die Person bist, die sich schnell unsicher, ängstlich und abgelehnt fühlt und deswegen entweder explodiert (Ärger, Wut) oder implodiert (Traurigkeit, Angst), dann kommen hier gute Neuigkeiten: Du kannst das ändern. Und es ist nicht schwer. Du brauchst lediglich den Mut, den ersten Schritt zu gehen.

 

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